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BODY START! --> Auszuck aus der Site : www.hiphop.de - graffiti`s - History of Düsseldorf

 

 


  Graffiti History Düsseldorf

Düsseldorf 1982 - 1999

Wie in fast jeder größeren Stadt Europas finden sich an Düsseldorfs Wänden zu Beginn der 80er Jahre Polit- und Spontisprüche, sowie Anarcho- oder Punkmalereien, neben großen Murals (Bilk, Friedrichstadt,...) von "anerkannten" Künstlern, die meist urbane Motive verwenden. Straßenbahn- und Bushaltestellen werden mit Eddings gebombt. Up sind z.B. "Anal" und "MiniWub" (D'dorfs erste Female Writer). "Anal" ist auch später noch aktiv als Schablonen-Sprüher in der Punkszene tätig. Einige Punkgruppierungen benutzen Zeichen- oder Crewnamen wie z.B. "Die Wiese" (1982).

1983 entsteht am Max-Planck-Gymnasium das erste Piece in Bubble-Style und buntem Fillin, der benutzte Name taucht allerdings nie wieder auf, auch ist der Urheber der D'dorfer Szene nicht bekannt. Ebenfalls 1983 sprüht ein Kunststudent der Akademie im (alten) Ratinger Hof ein "Vandal"-Piece mit Silber, schwarzen Outlines mit Schatten und weißen Highlights. Zu dieser Zeit wird in Bussen und Bahnen bereits Inside gebombt, eigentlich ist sich aber niemand darüber bewußt, daß er "Graffiti" macht, der gängige Begriff ist "Edding-Power" - nach der gleichnamigen Markerfirma. Die Namen werden meist aus Comics oder Spielfilmen übernommen und dienen zum Grüßen anderer Namen. Ein typisches Tag lautet z.B.: "Rambo II was here! Greetings to Rambo I, Rambo III, Gloopstick and Oskar L."(Neuss 1984). Der 'Style' beschränkt sich häufig auf Hand- oder Druckschrift mit kleinen Verzierungen, ähnlich der ersten New Yorker Tags.

1984 schwappt die Hiphop-Bewegung als "Paket" aus Musik, Tanz und Graffiti nach Düsseldorf und fasziniert die Jugendlichen durch seine komplexe Kultur. Die ersten 'amerikanischen' Tags tauchen auf. "Ace", "Brian", "Scary", "Mr. Smurf", "Cash" und "Fade" sind 'up all over city'. "Fade" ist sicher der begabteste und aktivste. Er malt Düsseldorfs erste Pieces unter diesem und anderen Namen ("Koni") und inspiriert durch sein Lettering (vor allem seine Tags) fast jeden Newcomer Düsseldorfs bis in die Neunziger Jahre hinein. Seine Pieces findet man 1984 beispielsweise am Humbold-Gymnasium oder der (noch nicht eröffneten) U-Bahnausfahrt 'Ratingerstraße'.

1985 tauchen die ersten Tags von "Magic" im Zusammenhang mit "Cash" auf. Von Derendorf aus verbreiten sie sich schnell im ganzen Stadtgebiet, etwas später beginnen auch "Slap", "La Rock", "Aids" und "Shy"; "Jester", "MSX" und "Ducock", die sich eher als Gegenpol zu "Fade", "Cash" und "Magic" sehen. Zudem wird "Subway Art" veröffentlicht und führt zu einer Unzahl von Bitings, die aber schnell wieder verschwinden. Derendorf entwickelt sich mehr und mehr zum Herd der Szene und bringt die von nun an aktivsten Maler hervor.

1986 sind dies: "Beak", "Kabe" und "Zeek" (die durch "Magic" inspiriert werden), "Mic", "Art", "MSX", "Slap", "Base", "Whit" (der neben seine Tags den Lucky Luke Totengräber mit wenigen Strichen malt), "Slime", "Ducock", "Magic", "Tyze", "La Rock", "Jester", "Aids", "Shy", "Fade", "Kermit", "Zyron", "Mab", "Task", "Stage" und "T-Bone", sowie unzählige Tags, die nicht viel oder lange , und nur in eigenen Vierteln existieren. "Gawky" kommt zu Besuch nach Düsseldorf und malt zusammen mit "Cash", "Fade", "Chana" und "Zhit" aus Dortmund, sowie "Transam" aus Gießen die erste U-Bahn. Gegen Ende des Jahres bilden sich immer mehr eigenständige Gruppierungen. Absoluter Höhepunkt stellt folgendes Ereignis dar: "La Rock" malt zusammen mit seiner Crew ein "Deal"-Piece und wird währenddessen von "Magic" beobachten, der anschließend das Piece mit den Worten "Magic still the King" crosst. Diese Feststellung scheint zwar wahr zu sein, doch entsteht so ein hartes Battle, das dazu führt, daß fast alle Tags der Beteiligten gecrosst werden. Ende 1986 kann man in Düsseldorf weit über 50 verschiedene Tags finden. Piecing ist für die meisten noch kein Thema, die wenigen, die es schon betreiben malen in Unterrath, Derendorf, Hellerhof und "unter den Eichen", damals außer der U-Bahnausfahrt Ratingerstraße der wichtigste Spot, wird in der folgenden drei Jahren zur "illegalen Hall of Fame" Düsseldorfs.

1987 zieht "Gawky" nach Düsseldorf und mit ihm kommt der an "Bando" angelehnte Style. Sein Blackbook ist voll von Silverpieces (rote oder schwarze Outlines) in atemberaubendem Style. Nach untenhin dicker werdende (45° geknickte) Balken, die verziert werden mit Serifen-ähnlichen Blöcken, die sternförmig vom Ende herausspringen. Die Konstruktionslinien teilen die Balken ornamentalähnlich auf, und werden bei den Last Outlines mit durchgezogen. Niemand kann zu diesem Zeitpunkt leugnen von ihm beeinflußt zu werden. Es entstehen Writer Corners in der Altstadt, wie "Karschhaus", "Warehouse"(später Mc Donald's) und vor der Kunstsammlung NRW. Dadurch entstehen viele Tags, es werden von dort aus erste fette Racking-Tours gestartet und die ersten Crews bilden sich, z.B. "SAT" ("Slime", "Nitro", "Maid"), "TRA" / "CSB" ("Beak", "Zeek", "Kabe"), die von da an wohl wichtigste Crew "TAO" ("Kermit", "Tyze", "Mab", "Q-Tip"), weitere Tags z.B. aus Gerresheim wie "Nase", "Barb" und "Joe", Ende 1987 die "IGC"-Crew (mit "Zambo" "Cabic", "EP") und die neben "TAO" bedeutungsvolle "USSR" Crew ("Sore IV", "Ducock", "Kabe", "Omik/Kimo", "Ghost"), sowie "KGB" ("Mic", "Art", "MSX") die als erste im sogenannten "Kessel" (zwischen Hauptbahnhof und Wehrhahn) malen. SoreIV bombt als erster Düsseldorfer eine S-Bahn im City-Yard. Etwa zur gleichen Zeit gründet die "TAO" (zusammen mit "USSR") die erste straffreie " Hall of Fame" auf der Kiefernstraße, deren Häuser von linken Hausbesetzern bewohnt werden. Sie werden hierbei durch ein größeres Polizeiaufgebot gestört, können aber schnell klären, daß die bemalten Flächen nicht angezeigt werden - der Besitzer hatte bei einem New York-Aufenthalt Graffiti kennengelernt und zeigt sich sehr begeistert von den Düsseldorfern. Gegen Ende des Jahres kann sich die Line zwischen Hauptbahnhof und Derendorf zum ersten mal sehen lassen, mit ca. 40 Pieces ist diese Strecke schon recht gut bemalt. Konträr zur "Derendorfer -Bewegung" ensteht eine neue Corner am Berta-von-Suttner-Platz hinter dem Hauptbahnhof, die hauptsächlich von aktiven oder ehemaligen Skatern besucht wird. Dort gründet sich die "AB-Crew" aus "Kamos", "Rakis", "Zeales", "Noae" und "Oxbow", die unterstützt werden durch eine große Zahl von Posseleuten (sog. Hauptbahnhof-Posse). Ihre Tätigkeitsbereiche sind Friedrichstadt, Bilk, Oberbilk und Wersten, (Düsseldorf-Süd), wobei Tags (noch) die wichtigste Rolle spielen.

1988 ist es soweit. Zum ersten Mal kann man in Düsseldorf von einer richtigen Writing-Szene mit Tagging, Throwuping und Piecing sprechen. Die Mitglieder der einzelnen Crews kennen sich untereinander und sind dabei auch größere Aktionen zu planen. Es entstehen viele grundlegende Regeln und Styles sowie Bekanntschaften mit anderen Städten, wie München, Mainz und Dortmund. Inside Bombing in Trains und U-Bahnen wird immer populärer, ebenso das "Glas-Ritzen" ("Rieon", "SoreIV", u.v.m.). Eine Angewohnheit die einem zwar teuer zu stehen kommen kann, die dafür aber für langanhaltende Präsenz sorgt. Man kann dies durchaus als logische Reaktion auf die architektonische Entwicklung der Stadt deuten. Hauptsächlich Stein (Marmor usw.) und viel viel Glas, nicht nur auf Einkaufsstraßen. Es dient als hauptsächlicher Baustoff für U-, S-, und Straßenbahnhaltestellen, die seit Ende der 70er hell und übersichtlich gestaltet werden sollen und auf denen geschriebene oder gesprühte Tags selten länger als drei Tage halten. "La Rock" ("FDC") organisiert die erste HiphopJam Düsseldorfs im (noch nicht renovierten) alten Ratinger Hof zu der Amsterdammer Rap-Gruppen eingeladen werden. Anläßlich dieser Jam entsteht das "Welcome in Magic's City - Piece" am Wehrhahn. "Zeek" gründet gemeinsam mit "Magic" die "NUT" -Crew. Neue Tags lauten z.B. "Oclock/Ozone", "Rieon", "Esoc", "Somac"(RIP), "Thermo", "Amok", "Creep", "Hope", "Oce", "Zet", "Shown" usw. Der "Kessel" gewinnt weiter an Bedeutung, nachdem "Loomit", "Gor" und "Scale" ein FBI-Piece mit Charakter gesetzt hatten, kommen nun viele Silverpieces dazu von TAO, USSR, CSB und NUT Crew. "SoreIV" malt dort die meisten Pieces und er ist es auch, der als erster Düsseldorfer zusammen mit CSB, TAO und USSR-Members in Essen eine S-Bahnen bombt. Düsseldorfs Sprüher gewinnen so an Popularität, sie lernen Keith Haring kennen, der eine Ausstellung in der Galerie Hans Mayer veranstaltet. Im Oktober findet dann die erste Ausstellung Düsseldorfer Sprüher ("Magic", "Zyron", "Kermit") in der "Galeria Mama" von Klaus Gühling statt. Die Galerie liegt auf der Kiefernstraße und die Presse berichtet von einer Ausstellung von "RAF-Symbolen", was zu einem mittleren Polit-Skandal und der Miet-Kündigung des Galeristen führt. Man kann sagen, daß Anfang 1989 die Bewegung an ihren Höhepunkt gekommen ist. Die alte Jagenberg-Halle wird für kurze Zeit freigegeben zum Sprühen und es erscheinen viele Berichte in Presse und Fernsehen. Die TAO-Crew löst sich auf, zuletzt mit den Mitgliedern "Stage", "Task", "Mab", "Zyron", "Kermit", "Magic" und "Tyze".

1989 ist aber auch das Jahr der Polizei. Eine Graffiti-SoKo wird gegründet und ein Flut von Hausdurchsuchungen und Verhören erschüttern die Szene stark. Da dies sozusagen die Premiere der SoKo ist, sind die meisten nicht darauf vorbereitet oder ungenügend informiert. Bei den Durchsuchungen wird alles mitgenommen, was auch nur im geringsten mit Graffiti zu tun hat, z.B. einige original (!) Zeichnungen von Keith Haring und Poster mit original Widmungen. Namebelts, Schallplattencover und Graffitibücher, sowie vom Fineliner zum Postermarker alles was schreibt. Bei einem KGB-Crew Member werden sogar sämtliche Fußleisten von der Wand gerissen! Da man zu diesem Zeitpunkt Backpieces / Writerjackets Trägt und die Szene eher als "große Familie" zu sehen ist, fällt es der Staatsmacht nicht sehr schwer Namen herauszufinden, zumal Viele mit Erpresser-Methoden zu Aussagen gezwungen werden. Allgemein bedeutet dies den ersten wirklichen Bruch innerhalb der Bewegung. Die übriggebliebenen Writing Jackets wandern in den Schrank (oder ein besseres Versteck) und man wird schweigsamer. Bis dahin hatte man gerne nach außen hin gezeigt, wer man ist - es ging eher darum Hiphop-Lifestyle zu leben, als wirklich massiv zu bomben. Die bis dahin aktiven Maler ziehen sich zurück und gehen nicht mehr zu den Corners, der Kontakt zu jüngerem Nachwuchs wird vermieden, vorhandenes Wissen kann kaum oder garnicht weitergegeben werden. Einige junge Maler von der Altstadtcorner ("Amok", "Rieon", "Shown", "Esoc", "Zet") besuchen nun öfter die Hauptbahnhof-Posse und knüpfen neue Freundschaften - Düsseldorfs dritte Generation ist geboren. Viele der später wichtigsten Bomber fangen zu diesem Zeitpunkt an zu malen oder sich für Bombing zu interessieren. TAO und USSR-Members setzen sich spätestens 1990 zur Ruhe oder verlagern ihre Aktivitäten auf die legale Seite und versuchen so etwas Geld zu verdienen. Als sozusagen einzige Ausnahmen gilt "Fume", der vorher unter anderem Namen schon öfter für Aufregung gesorgt hatte. Er orientiert sich von nun an international und kann seinen Namen durch sehr eigenständigen Style und massives Trainbombing in Deutschland, Benelux und den Staaten gut etablieren. Für Düsseldorf spielt er eher eine Rolle im Sinne der "All over the city mentality"; er bombt alles, was rollt (Vans, Trams,...) und sämtliche Viertel mit den immergleichen Tags und "FE" throwups. Sein Name wird auch weiterhin in der Geschichte Düsseldorfs auftauchen. Im Dunstkreis der HBF Posse entstehen neue Crews wie DKB ("Moel", "K9", usw.) und die GAS-Crew, die versucht, an die "86er Bewegung" anzuschließen. Ihre bekanntesten Mitglieder sind "Termo" und "Amok", die ihre Letters weiterhin durch "Gawky" inspirieren lassen, ebenso wie die "Amok"-Tags, die zu diesem Zeitpunkt neben "Kabe" (unter anderem Namen) zu den besten der Stadt zählen. Ihr Tagging und Throwupping ist all City und noch Jahre später zu finden, nicht zuletzt, da sie large Glasflächen zerritzen. Es fällt allerdings auf, daß sie ausschließlich auf den Lines aktiv sind.

1991 ist das bis dahin schwächste Jahr für Düsseldorf, "Sero" und "Zasone" gründen die "NGF"-Crew, in Rath entsteht die "KMO"-Crew, sie fallen aber quantitativ kaum auf. Gegen Ende 1991 passiert, was unvermeidbar schien: Dortmund hat sein erstes wirklich fettes Jahr und ist tatkräftig dabei sein Steeler-Nahverkehrssystem zu sprengen. Die Ruhrlines strotzen nur so von riesigen Easystyles in bunt oder Chromsilber, die nur eine Aussage zu haben scheinen: "Ich bin der Fetteste!". "Izm", "Sak" und "Rio" sind ihre Namen und sie geben neue Denkansätze zum Besten. In Düsseldorf hatte bis jetzt, aufwendiger bunter Style (Gawkistyle, Wildstyle,...) zu Fame und Anerkennung geführt - jetzt kann man auch quantitativ auffallen.

In dieser "Mutations-Phase" entsteht Anfang 1992 die "ISD" Crew ("Immer Super Drauf"!). Man fängt an deutschsprachige Tags zu verwenden und die Styles werden immer lesbarer für den Otto-Normal-Beschauer. "Mach2" und "Yoga" hatten sich schon länger mit Writing beschäftigt und malen daher weiterhin bunte, aufwendigere Styles. Schnell bekommen sie Gesellschaft durch "Zema", "Poker" (beide auch "NGF" Crew), "Pul16" und "Konamic", später auch "Mosaik" und "Kult", die durch "Step" und "Amok" (GAS) eingewiesen und inspiriert werden. So ist es auch nicht verwunderlich, daß die ISD Crew eine reine S-Line-Bomber-Crew ist (all city, hauptsächlich S6 und S8). Sie starten fette Tagtours und Insidebombings und die jüngsten von ihnen beschäftigen sich mit Easystyle und Silverpiecing im Dortmunder Sinn. "ISD" löst sich Mitte des Jahres auf wegen interner Streitigkeiten und "Kult" und "Germ" gründen "Das A-Team", "Mosaik" und "Merz" kommen schnell dazu. Von nun an übernehmen "Kult" und "Merz" den quantitativen Teil, während "Germ" und "Mosaik" versuchen durch bunte und aufwendigere Styles (teilweise mit Charaktern) aufzufallen, was ihnen auch gelingt. "Kult" beginnt (unterstützt durch "Merz") S-Bahnen zu bomben. Es fällt auf, daß sich "Das A-Team" zunächst an der Linie nach Dortmund (S1/S21) austobt (z.B. Duisburg Großenbaum und weiter), dann spielt der Hbf und die umliegenden Viertel (Bilk, Friedrichstadt, Oberbilk, Flingern, Wehrhahn) eine zunehmende Rolle. "Kult" malt direkt im Hbf ein "A-Team" Silverpiece auf die Postwand, den Höhepunkt stellt aber sicherlich die "Gipfelstürmung" des Hbf's dar. Die Frontfassade wird in über 20 Meter Höhe betagt und der Uhrenturm gebombt. Die Presse berichtet über diesen dreisten Vorfall - die Bundesgrenzschutzwache liegt nämlich direkt neben den gebombten Flächen, durch alle vorhandenen Fenster blickt man direkt darauf. Anfang 1993 kann man "Das A-Team" zweifellos als die 'Kings all city' bezeichnen. Zeitweise fahren auf S8 jede Woche neue bunte Panels. Meist wird eine Seite mit den persönlichen Piece gebombt, die andere mit dem Crewnamen. "Kult" ist somit im quantitativen Sinn der erste S-Bahn-Bomber aus Düsseldorf, als er "Dino" kennenlernt und ihn ins "A-Team" aufnimmt. Dies geschieht nahezu zeitgleich mit der Gründung der "Eszet"-Crew durch "Beak", "Zar" und "Konsum". Als sich dann Mitte 1993 das "A-Team" wegen zu großem Interesse seitens der Justiz langsam auflöst, gründet "Dino" zusammen mit "Neh" und "Azmer" die Nachfolgecrew "ATM", die sich dann ausschließlich mit Trains beschäftigt. Die "SZ"-Crew expandiert schnell, ihre Tags lauten: "Zeek", "Kabe", "Sre", "Cute", "Moral", "Hey", "Jet", "Link", "Wer", "Tek" und "Konsum", einige von ihnen leben allerdings nicht in Düsseldorf und fallen daher nicht sehr ins Gewicht. Zunächst konzentrieren sie sich auf die Lines (Völklingerstraße, Flughafen, Benrath), wo sie meist Buntbilder in sehr unterschiedlicher Qualität malen. Schnell wird klar, daß es ihnen weniger darum geht, wie "stylisch" sie malen, sondern eher darum überhaupt malen zu gehen. "ESZET" ist eine Crew der Gegensätze: während einige Oldschooler dabei sind die sehr auf Style achten, ist der größte Teil von Ihnen erst seit Anfang der 90er aktiv, oder beginnt extra für die Crew zu malen (z.B. "Jet"). "Zar", "Beak" und "Link" beginnen damit, die gesamte Stadt (incl. Straßenbahnen) zuzutagen unter Verwendung von Wachs- und Ölkreide, die den Vorteil hat auf Glas ziemlich reinigungsresistent und vor allem geruchslos und deckend zu sein. Wird sie von offenporigen Steinflächen nicht rechtzeitig entfernt, zieht sie ein und ist damit praktisch konserviert. "Jet" und "Konsum" taggen fast ausschließlich mit Dose und all over the city. In den ersten Monaten findet zunächst ein battle auf den S-Bahn-Stahlern zwischen "Sre" (Eszet) und "Dino,ATM" statt, meist E2E's oder E2E-Trains. "Hey"(SZ) und "Thi" beginnen damit, die übrigen Stahler zu bomben, "Link", "Jet", "Zeek", "Cute", "Moral" und "Konsum" beschäftigen sich zunächst mit Zügen anderer Verkehrsverbünde. "Sre" und "Kons" gründen dann die "LTGTR" Crew (Let The Good Times Roll), die sich, wie der Name schon andeutet, ausschließlich mit Trains beschäftigt. Zunächst sieht sich die Crew mehr als "Eszet" auf Rädern, doch dann kommt der Newschooler "Nic" dazu, dem die Verantwortung für die Crew gegeben wird. Er ist der radikalste und von da an wichtigste Maler der LTGTR. Gemeinsam mit "Wer", und "Kons" beginnt er systematisch die Düsseldorfer Steeler und Mintis zu bomben, zusammen mit "Kle" und seinem Bruder "Thi", sowie den drei Eszettern "Hey", "Sre" und "Wer" konzentriert er sich auf die S-Bahnen.

1993 ist das Jahr des Erwachens. Sprüher, die in den letzten drei Jahren nicht mehr gemalt hatten interessieren sich stark für die neue Bewegung und viele von Ihnen werden wieder aktiv, so z.B. "Fume" (der sich von nun an wieder in Düsseldorf blicken läßt), "Magic", und "Tom", neue Tags lassen vermuten, daß hier einige Oldschooler unter neuem Namen tätig sind. Die RAL-Crew ("How", "Nosm", "Megx" verstärkt ihre Aktivitäten im öffentlichen Raum. Unmengen von Toytags überfluten zudem die Stadt und es bestätigt sich, was viele schon im Winter 92/93 vorhergesagt hatten: in diesem Jahr wird soviel gemalt, wie in dem gesamten Zeitraum von ´82 bis ´90, eine neue "Sonderkommission Sachbeschädigung" wird gegründet und beginnt zu recherchieren. Gegen Ende des Jahres entschließt sich "Too Fresh Tee" die neue Szene zu unterstützen und organisiert gemeinsam mit "Babak" eine "Xmas Jam", hierfür organisieren Leute aus dem Freundeskreis der "SZ-Crew" Freiflächen für Maler. Sie erreichen das scheinbar Unmögliche - der Worringer Platz (Fußgängerunterführung), heruntergekommene Penner-Pissrinne und Heroin-Konsum- und Umschschlagplatz direkt neben dem Hbf, kann etwas Farbe und Belebtheit gebrauchen. Da die Stadt sowieso vorgesehen hat, die Tunnel abzureißen, fällt die Entscheidung nicht sehr schwer und es entsteht genug "straffreier Raum" für die Writer, die sich von nun an hier treffen und ihr Können unter Beweis stellen. Die zentrale Lage und die Größe der Flächen ist ideal und macht den Worringer Platz zum brodelnden Herd der Szene. Die X-mas Jam findet am 17.12. statt, und ist ein voller Erfolg - sie gibt weiter Schub und Unterstützung für die düsseldorfer Bewegung. In den ersten Wochen überraschen die Pieces eines bis dahin relativ Unbekannten Malers die Szene. Sein Name ist "Axe", er gehört der Rather Sprühercrew "KMO" an und ist ihr wichtigstes Mitglied. Schnell lernt er die Oldschooler und die "Eszetter" kennen, die ihn durch ihr ziemlich rücksichtsloses Bombing (das durchaus Style-orientiert ist) inspirieren, er ist ebenfalls ein "ownstyler" und hatte vorher unter anderem Namen seine Härte unter Beweis gestellt, nicht zuletzt wegen seiner Vorliebe für "Motion Bombing". "Konsum", "Wer" und "Zar" beginnen damit Autobahnen, Straßen und Rooftops im gesamten Stadtbild zu bomben. Ihr Ziel ist es, Writing so weit zu verbreiten, daß niemand mehr daran vorbeikommt oder wegschauen kann. "Mosun" und "Fume" sind ebenfalls auf der Straße aktiv.

Zu Beginn des Jahres 1994 werden Stahler, Mintis und S-Bahnen durch "DinoATM" und vor allen Dingen die "LTGRT"-Crew massiv gebombt - fünf bis zehn neue Panels pro Woche sind keine Seltenheit mehr. Vor allen Dingen "Nic" und "Thi" bomben was das Zeug hält. Nach einer gemeinsamen Flucht aus einem Abstellbahnhof die trotz großem Polizeiaufgebots erfolgreich verläuft, entschließen sich die "LTGTR" Members die Crew zu vergrößern und der DB "eine richtige Packung" zu verpassen, hierzu werden die Tags eigenständig und nicht mehr personengebunden benutzt, neue Tags entstehen. "Dino" zieht sich immer mehr zurück, nicht zuletzt, da er von einem unbedeutendem Toy bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft denunziert wird. Im Frühling 1994 macht es schon Spaß, sich an den Hbf zu setzen und sich zu betrachten, daß 85% aller Züge gebombt sind - besonders die S-Bahnen haben sich zu einem beliebtem Betätigungsfeld entwickelt, viele Anfänger gehen ebenfalls auf das System, ohne wirklich Bescheid zu wissen. Trotz der ziemlich kurzen Zeit, die im Yard zu Verfügung steht (5-25 min), entstehen immer wieder recht anspruchsvolle Pieces, nur selten werden Wholecars oder T2B´s gemacht, um den Abstellbahnhof nicht unnötig zu belasten. Im März wird im Worringer Platz zu Ehren von "2FreshT" eine "Graffiti Exhibition Party" veranstaltet, zu der viele etablierte Writer kommen (unentgeldlich!), die gemeinsam mit den Düsseldorfern die gesamte Unterführung neu gestalten. Die "Eszetter" holen "Gor" und "Gawky" (der von nun an auch der SZ Crew angehört) aus Paris ab, beide hatten Düsseldorf schon lange nicht mehr besucht und sind sehr daran interessiert neue Kontakte und Freundschaften zu schließen. Die Party ist der Höhepunkt dieser Hall of Fame, die wenige Wochen später geschlossen wird, d.h. die Eingänge werden mit Holzplatten und Gitterzäunen verriegelt. Interressanterweise ist die Unterführung heute noch existent, komplett bemalt - nur die Eingangshäuschen wurden abgerissen und die dadurch entstehenden Löcher durch Betonplatten verschlossen. Die Hall of Fame ist somit sozusagen "konserviert" und sorgt bestimmt für eine Überraschung, sollte sie irgendwann nach der Jahrtausendwende wegen baulicher Maßnahmen kurz geöffnet werden. Die meißten Düsseldorfer sind ziemlich ärgerlich die Unterführung nicht mehr nutzen zu können, da sie wegen ihrer Überdachung der ideale Ort für den Winter oder regnerische Tage darstellt. Die Stadt schafft keine Ausweichmöglichkeit und begeht damit einen schweren Fehler, da die meisten Maler nun wieder illegal aktiv werden, vielleicht ist dies vergleichbar mit Berlin, wo durch den Abriß der Mauer eine starke Street-Bombing-Szene entsteht. So auch in Düsseldorf. Vor allen Dingen die Altstadt wird durch die Eszet Crew (Jet, Sre, Zeek, Wer, Kons) gebombt, "Wer" ist der Steet-King und zusätzlich entstehen viele "SZ"-Pieces unterschiedlicher Urheber an den unmöglichsten Stellen. "Axe" und "Deks" schlagen in die gleiche Bresche, einige wenige Newcomer schließen sich an. "Kay" und "Jet" gründen gemeinsam mit "Axe" die "YMCA"-Crew (You Might Catch All), die zunächst hauptsächlich Vans (LKW´s, Laster,...) und Streetbomben - fast ausschließlich durch Throwups ("Kay", "Je", "Co"). Die Crew wächst schnell und wird auch auf anderen Gebieten aktiv, wie z.B. auf Autobahnen und im Inside-Bereich (S-Bahnen, usw.); dadurch, daß "Kay", "Cons" und "Axe" jeder für sich neue Mitglieder in die Crew bringen, kennen sich viele Members garnicht und des öfteren entsteht so ziemliche Verwirrung. Zu Beginn des Sommers ist es wieder ein (legal arbeitender) Freund der ESZetter, der gemeinsam mit einem ehemaligen ATM-Member die "Bilker Hall of Fame" gründet, etwa hundert Meter vom S-Bahn Haltepunkt Bild entfernt, die als klare Alternative zur "Kiefernstraße" steht, auf der es wegen der Präsenz von "Gangbanging-Wannabes" unmöglich ist, ein Bild fertig zu malen. Abgesehen davon, erlebt die LTGTR Crew neuen Auftrieb, im Sommer hat sich die Crew erheblich vergrößert, z.B. durch "Low", "Wel", "Oli", "Out", "Peer", "Boxer", "Tek", um nur die Wichtigsten zu nennen. Trotz des immer stärker werdenden Polizeiaufgebots und vieler Hausdurchsuchungen lassen sie sich nicht davon abbringen weiterhin das City-Yard zu besuchen und vor allen Dingen die S-Bahnen zu bomben. Der Düsseldorfer Abstellbahnhof dient hauptsächlich zur Reinigung der Züge und um einen Steeler oder Minti zum Fahren zu bringen gehört einiges an Mut und Glück, da 95% der Trains direkt gebufft werden - merkwürdig ist nur, daß qualitativ hochwertige E2E´s mit Charaktern nicht rausfahren, während betagte oder mit Throwups und crosslines gebombte Trains unberührt das Yard verlassen, auch reduziert sich die vorhandene Zeit im Yard auf unter 15 min. Logische Konsequenz ist die Verbesserung des Equipements, zunächst werden fast nur noch Fatcaps benutzt, dann finden die LTGTR-Members eine Möglichkeit noch flächiger und schneller zu arbeiten (ohne Dosen), indem sie Farbe mit Gartengeräten versprühen - was aber wegen technischer Schwierigkeiten recht kompliziert ist - und trotz großer Popularität wenig Anwendung findet. Ein richtiger Wholecar mit Dose gemacht ist eben doch "the real deal"... Viele neue Crews entstehen, wie z.B. "VIP" und "HIV". Die hagener Formation "DFG" (Das Fatcap Geschwader) expandiert im gesammten Rhein- Ruhrgebiet und findet neue Mitglieder in Bochum, Witten, Wuppertal, Gevelsberg und Düsseldorf. Erklärtes Ziel ist es, die komplette S8 Linie zu bomben, was ihnen im Jahre 1996 auch gelingt. Auffallend hier die fast ausschließlich einfach gehaltenen Pieces (Ausnahme: "Kehr" und die gevelsberger Mitglieder). In Düsseldorf wird "DFG" auch auf Strassen und Inside gebombt.

1995 wird die Szene abermals von unzähligen Prozessen und Verhaftungen überschwemmt. Einige der Artisten werden für längere Zeit inhaftiert, viele werden ruhiger oder verlagern ihre Aktivitäten in andere Städte. Die Essener Crews "WSW" (Wir Sind Wahnsinnig) und "DOS" übernehmen mehr und mehr die Führung im Nahverkehrssystem und lassen Essen zum neuen S-Bahn Mekka werden. Auch Köln erwacht aus seinem Schlaf und es bildet sich eine grössere Szene. In Düsseldorf tritt die "NUT"-Crew wieder in Erscheinung. Vor allen Dingen "Magic", "Blow", "Affe" und "Fume" zeigen der Bewegung was Qualität ist. Die "Caots" und die "MSR"-Crew mischen dabei ordentlich mit, neu gegründet wird die "ADF"-Crew. Düsseldorfs U- und Strassenbahnen werden nun häufiger als Untergrund für Pieces genutzt.

1996 ist die wohl wichtigste neue Crew "XYZ", die innerhalb von wenigen Wochen das gesamte Stadtbild nachhaltig prägt. Sie fallen vor allen Dingen durch überdimensionierte Bilder auf den Lines auf, auch Trains bleiben nicht verschont. Da ihre Mitglieder fast ausschliesslich den Crew-Namen bomben, ist "XYZ" auch heute nicht zu übersehen. In den folgenden zwei Jahren sind sie gemeinsam mit "NUT", "Affe" und "Gelb" die auffälligsten Aktiven.

1997 gründet sich die LBS-Crew ("Love Burning Spirit") mit den Mitgliedern "Ami", "Burn", "Leja", "Zyk", "Chak" und einigen Members der DBP ("Die Blech Piraten"), die fortan das Train System Düsseldorfs bomben. Wholecars und full color E2E's sind ihre Spezialität, verbunden mit T2B Charactern, die meist von "Zyk" gemalt werden. Ohne Zweifel ist es die LBS Crew, die dem düsseldorfer Yard den letzten Rest gibt! Ein Jahr später löst sich die Crew mehr oder weniger auf, die Aktiven wechseln ihre Namen (und sind heute immer noch tätig).

1998 formiert sich die Crew mit dem seltsamen Namen "THE FÖNS" ("heut Nacht gehma fönen....") mit Members wie z.B. "Gelb" und "Affe" und beginnt ein Battle mit "XYZ", nicht ohne Erfolg. Bis heute (2000) haben sie ihrem Namen alle Ehre gemacht, und sind eindeutig die fetteste Crew auf den Lines, gemeinsam mit "XYZ". Auch auffallend sind die Bombings von "Ufo"("MSR"), "Score" und der "BM"-Crew, die aus der inzwischen aufgelösten "XYZ"-Crew entstand.

1999 finden sich erneut einige Maler zusammen um die "XYZ"-Crew neu zu gründen. die "GVK"-Crew ("Gottes Vergessene Kinder") fällt vor allem durch Streetbombing und Linepieces auf. Ausserdem tritt erstmals die deutsch-amerikanische "KD"-Crew ("Kings Destroy") in Erscheinung mit den Mitgliedern "Atek", "Mouser" und "Boum". Ebenfalls erwähnenswert sind die "WMZ"-Crew, "FC"-Crew und "ODB". Maler wie "Auto", "Reim" und "Kiss" sind im Düsseldorfer Stadtbild auch nicht gerade zu übersehen.


Text: Copyright by Christian Fu Müller, id net 2000



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